www.anti-anti-americanism.com

 

Home

Tsunami
 

 

Mühltal, 02. Januar 2005

Liebe Debbie,

auf diese Schlagzeile nach der fürchterlichen Flutkatastrophe in Südasien habe ich schon gewartet: Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) titelt heute: "Hätte vor der Flut gewarnt werden können? Kritik an amerikanischer Behörde für Meeresforschung. Große Hilfsbereitschaft in aller Welt. In Sri Lanka erste Fälle von Cholera".*

Diese Schlagzeile stellt die Fakten auf den Kopf. Warum nicht ausreichend gewarnt wurde hat vor allem folgende Gründe: die betroffenen Länder selbst haben kein Frühwarnsystem für Seebeben, die Warnungen von Wissenschaftlern aus anderen Ländern kamen oft gar nicht an, weil es kein funktionierendes Kommunikationssystem für Indien, Thailand, Bangladesch und Sri Lanka gab, oder sie wurden nicht ernst genommen, weil nicht jedes Beben automatisch auch zu einer Flutwelle führt. Und der mit Abstand fahrlässigste Grund: man wollte die Touristen nicht verschrecken. Aber in der Schlagzeile der FAS wird natürlich die amerikanische Behörde für Meeresforschung genannt. Die Schlagzeile geht dann positiv weiter: "Große Hilfsbereitschaft in aller Welt." Aha, hätte man da nicht sagen können, mit Abstand das großzügigste Land sind die USA? Nein, wenn es um eine gute Nachricht geht, dann wird die ganze Welt genannt.

Im zweiten Artikel der FAS auf Seite 3 wird dann immerhin über die 350 Millionen Dollar, die Bush versprochen hat, berichtet und sogar zugegeben, dass dies zehnmal mehr ist als Länder wie Deutschland, Frankreich und Japan geben. Aber das Verdienst wird gleich geschmälert, weil es ja wohl nur geschieht, "um das ramponierte Ansehen der Vereinigten Staaten in weiten Teilen Asiens zu verbessern."** Und in roten Lettern prangt ein paar Absätze weiter der Hauptkritikpunkt: "Statt zum Multilateralismus zurückzufinden, bleibt Bushs Außenpolitik nationalstaatlich." D. h., obwohl die USA großzügig helfen, werden sie kritisiert, denn: "Auch Europa und Amerika könnte das Beben weiter auseinandertreiben. Die von Bush ausgerufene Koaliton der Rettungswilligen umfasst die Vereinigten Staaten, Indien, Japan und Australien. Dass weder Europa noch dessen Lieblingskind – die Vereinten Nationen – in seinem Hilfsplan auftauchen, wird wohl in der Alten Welt zu recht als Affront verstanden werden." ** Tja, ich befürchte sogar, der Autor könnte recht bekommen, aber nicht das Beben wird daran schuld sein, sondern einzig und allein die antiamerikanische Berichterstattung in den deutschen Medien. Ich habe das Probe-Abo für die FAS zum Neuen Jahr geschenkt bekommen – das war kein guter Anfang. Jetzt lese ich lieber, was bei Davids Medienkritik*** zu diesem Thema steht.

Alles Liebe, Karin

PS: Eine Schlagzeile vermisse ich allerdings noch, so in Richtung: "Das geheime Forschungsprojekt von CIA und MOSSAD am thailändischen Meeresboden - die wirkliche Ursache für das Seebeben?"

* "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vom 02.01.2005, Hauptschlagzeile Seite 1

** "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vom 02.01.2005, Seite 3, "Lehrmeister Tsunami?" Artikel von Jochen Buchsteiner

*** http://medienkritik.typepad.com

© Karin Quade, 02. Januar 2005

 

Send e-mail with questions or comments to / Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren an: webmaster@anti-anti-americanism.com 
Copyright © all texts, pictures, structures and webdesign 1995 - 2006 by Karin Quade. All rights reserved.