Muslime sind etwas rückständig, sie haben viel unter westlichem Kolonialismus gelitten, ihr Groll auf den Staat Israel ist verständlich, man darf nicht jedes ihrer Worte auf die Goldwaage legen: Ein solch impliziter Rassismus durchzieht die zu Recht lebhafte Debatte über die Rehabilitierung des Holocaustleugners, Bischof Richard Williamson. Denn eine Frage drängt sich auf: Warum wird beim Papst und der katholischen Kirche die historisch-moralische Messlatte sehr hoch gelegt, im Fall Tausender Imame und islamischer Gelehrter aber bewusst ganz niedrig? Warum darf ein katholischer Geistlicher auf keinen Fall die in Auschwitz Ermordeten verhöhnen, während in vielen Freitagspredigten in der muslimisch-arabischen Welt die “Lüge vom Judenmord” und das “Märchen von den Gaskammern” gängige Metaphern sind?
Die Antwort ist leicht: Muslime werden im Westen tatsächlich nicht ganz ernst genommen. Ihr Antisemitismus gilt als eine Art Folklore, der wegen der besonderen kulturellen Rückständigkeit mildernde Umstände verdient hat - ein ideologischer Import aus Europa, der den Lehren Mohammeds nur übergestülpt wurde, ein Kunstprodukt, nichts Organisches. Darum dürfen bei Anti-Israel-Demos wegen des Gazakrieges selbst in Deutschland die übelsten Slogans skandiert werden. Würden Ethnodeutsche dieselben Hassparolen brüllen, wäre längst der Staatsanwalt tätig. Wer aber derart mit zweierlei Maß misst, ist entweder Ignorant oder Rassist. (…)
Leider hat Malte Lehming recht. Hinzu kommt noch, dass über die schlimmen antisemitischen Demos der letzten Wochen nur wenig berichtet wurde, während der katholische Holocaustleugner absolutes Topthema ist. Gerade eben hat die Tagesschau einen Brennpunkt zu diesem Thema im Anschluss angekündigt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es zu dem schlimmen Vorfall in Duisburg (die Polizei brach in eine Wohnung ein, um die israelische Flagge zu entfernen) einen Brennpunkt gab. Auch habe ich keinen Bericht über die “Nachbearbeitung” dieses ungeheuerlichen Vorgangs gesehen oder gelesen. Dabei müsste das doch jeden Tag in den Nachrichten sein. So viele Fragen sind offen: Ist die Tür inzwischen wenigstens repariert worden? Wird Schadenersatz gezahlt? Gab es weitere ernstzunehmende Entschuldigungen? Wer übernimmt die politische Verantwortung? Tritt irgendjemand zurück, z. B. der Polizeipräsident? Oder gar der Innenminister? Und die brennendste Frage von allen: Wird der deutsche Rechtsstaat in Zukunft dem Mob der Straße standhalten oder kann sich Duisburg wiederholen?
Bischof Richard Williamson sollte für seine Ansichten nicht mit einem hohen Amt in der katholischen Kirche geadelt werden. Man sollte ihn unter Quarantäne stellen - wie die Hamas, die in ihrer Charta die Juden zu Drahtziehern des Zweiten Weltkriegs erklärt. Wenn mit Williamson ein Dialog nicht möglich ist, dann gilt das erst recht für die Hamas. Wer nur Williamson beklagt, aber die Hamas “irgendwie einbinden” will, lügt sich selbst in die Tasche und die Öffentlichkeit an.