“Die DDR wird immer schöner” von Dominic Boeer, Die WELT, 10.02.2009:
In einem Witz gehen erboste Mütter in Pankow auf die Straße und fordern gute Schulnoten für ihre Kinder. Mit Transparenten, auf denen steht: “Einsen nicht nur für Schlaue”, demonstrieren sie gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit in unserem Land. Ob tatsächlich nur ein Witz oder eine Zukunftsvision, lässt sich bei genauerer Betrachtung der “Stimmung im Land” nicht zweifelsfrei erschließen. Jedenfalls scheint die Lust ungebrochen, mit dem Kopf gegen die sozialistische Wand zu rennen.
Lediglich 54 Prozent der Ostdeutschen sehen ihre Lebensverhältnisse nach dem Mauerfall verbessert, und nur 24 Prozent beurteilen es als “sehr wichtig”, in einer Demokratie zu leben. Auf der Anklagebank sitzen die “Neoliberalen”, das “ungerechte System”, kurz: der Kapitalismus. (…)
Ob bei der kubanischen Cha-Cha-Cha-Variante oder der Entrechtung des Volkes im chavistischen, von Oskar Lafontaine so bewunderten Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela, klar ist: Im Sozialismus gibt es weder Freiheit noch Wohlstand. Wo sind die deutschen Politiker, die den Mut haben, daran zu erinnern, dass es einzig dem freien Markt zu verdanken ist, dass überhaupt umverteilt werden kann?
Ja, das würde ich auch mal gerne wissen …