Ausnahmsweise kein Beitrag zu Deutschen und Amerikanern, sondern zu Briten und Deutschen und die juristischen Hintergründe des „Handtuchkriegs“ auf Mallorca gefunden in Ralf Höckers Buch „Das Beste aus dem Lexikon der Rechtsirrtümer“ (S. 30 ff.):
Der durchschnittliche Engländer hat bei dem Stichwort „Deutschland und die Deutschen“ drei spontane Assoziationen, die das schlechte Image unseres Landes prägen:
1. Der Zweite Weltkrieg
2. Fußballspiele, die (angeblich) immer von Deutschland gewonnen werden
3. Handtücher, mit denen deutsche Touristen um sechs Uhr morgens noch schnell vor dem Frühstück sämtliche Liegestühle mallorquinischer Bettenburgen blockieren, während die Engländer noch ihren Rausch ausschlafenAn der ersten Assoziation können wir leider nichts mehr ändern. Bei der zweiten wären wir froh, wenn sie wahr wäre. Und was ist mit der dritten? Da dürfte in der Tat Handlungsbedarf bestehen. Denn das Territorialgehabe der Deutschen ist tatsächlich sehr ausgeprägt. Wir blockieren nicht nur verlassene Liegestühle mit Handtüchern, sondern auch leere Kinositze und Barhocker mit Jacken („Sorry, da kommt gleich noch einer!“) und schrecken als einziges Volk der Welt noch nicht einmal davor zurück, uns an fremden Stränden in muschelbewehrte Sandburgen einzugraben, ganz so, als erwarteten wir mal wieder eine Landung der Alliierten.
Um es ganz deutlich zu sagen: Handtücher, Jacken und Sandburgen allein vermitteln noch keine Besitzansprüche – und zwar weder bei uns noch in mallorquinischen Hotelanlagen. Unsere dem Frühaufstehen eher abgeneigten britischen Nachbarn haben also völlig recht, wenn sie sich über uns aufregen. (…)
Nähere Begründung hierzu und zu vielen anderen juristischen Fehlannahmen in „Das Beste aus dem Lexikon der Rechtsirrtümer“ von Dr. jur. Ralf Höcker, Weltbild. Und mehr über ihn auf seiner Website http://www.ralfhoecker.de/
Im Hinblick auf die bevorstehende EM noch ein eher unjuristischer Tipp vom Autor:
Warum beweisen wir den verkaterten Langschläfern von der Insel nicht einfach unsere menschliche Größe und überlassen ihnen die Liegestühle freiwillig? Ein Volk, dessen Nationalelf seit 40 Jahren kein großes Fußballturnier mehr gewonnen und den einzigen WM-Titel einem verwirrten Schiedsrichter zu verdanken hat, soll wenigstens das Recht haben, sich unter Spaniens Sonne in Ruhe auszustrecken und zu entspannen.
Und ausgerechnet jetzt läuft über den msn-Ticker folgende Schlagzeile:
“Brite bekommt Schadenersatz wegen vieler Deutscher im Hotel”, AFP, 31.05.2008:
London (AFP) - Ein britischer Tourist hat vor Gericht Schadenersatz für eine Griechenlandreise erstritten, weil zu viele Deutsche in seinem Hotel wohnten. David Barnish hatte 4000 Pfund (5100) Euro für einen Urlaub mit seiner Frau und seinen drei Töchtern auf der griechischen Ferieninsel Kos bezahlt, wie die Zeitungen “Daily Telegraph” und “Sun” berichten. Da aber alle Aktivitäten für Kinder und Erwachsene in dem Hotel auf Deutsch organisiert wurden, konnte die britische Familie nicht daran teilnehmen.
Barnish verklagte daraufhin die Firma Thomson wegen Vertragsbruchs, da sie verschwiegen hatte, dass das Grecotel Park Hotel fast ausschließlich von Deutschen bewohnt wird. Den Zeitungsberichten zufolge sprach ein Gericht in der englischen Stadt Stoke dem 47-Jährigen Schadenersatz in Höhe von 750 Pfund zu, da ein in einem englischen Prospekt aufgeführtes Hotel auch für englischsprachige Gäste sorgen müsse. (…)
Ob das umgekehrt auch funktionieren könnte? Schadensersatz für Deutsche wegen zu vieler britischer Touristen? Im Reise Spezial der Bild am Sonntag (1. Juni 2008, S. 23) lese ich gerade Folgendes:
Magaluf: Englischer Humor all-inclusive
Die Party-Meile der Engländer auf Mallorca. Wer dort als Deutscher bucht, sollte Sinn für britischen Humor und britische Trinkgewohnheiten haben. Flecken auf der Promenade sind stille Zeugen der letzten Nacht. Hinter dem Strand erheben sich zwölf-stöckige 70er-Jahre-Hotelburgen mit orangefarbenen Sonnenmarkisen und schäbige Kneipen. Schön ist es hier nicht, aber lustig und preiswert: Kaffe/Tee 1 Euro – und zwei Pint Bier (1,136 Liter) für 2,50 Euro! (…)
GEEIGNET FÜR: Partyfans, die nebenbei Englisch lernen wollen.
Na, da kann sich hinterher jedenfalls keiner mehr beschweren ;-)