Wilders ein Rechtspopulist?

Henryk M. Broder über den angeblichen Rechtspopulisten Wilders und seinen Film „Fitna“:

(…) Wilders ist so “einseitig” wie jeder Dokumentarist, der die Wirklichkeit verdichtet. Sein Film ist so “islamfeindlich” wie die Filme von Michael Moore “kapitalismusfeindlich” sind. Die Feindschaft liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern in der Natur des betrachteten Gegenstands. Zu den festen Ritualen, mit denen Sprecher der muslimischen Gemeinden auf die Feststellung reagieren, der Islam sei nicht unbedingt und nicht immer eine Religion des Friedens, gehört die Androhung von Gewalt, falls diese “Beleidigung” nicht zurückgenommen werde - egal ob es sich um den Papst, einen Politiker oder einen Poeten handelt. (…)

Und über die Reaktionen in der EU und in der Welt auf den Film:

(…) Die EU wollte es allen recht machen und betonte in einer Erklärung das Grundrecht der Redefreiheit, relativierte es aber gleichzeitig: “Wir glauben, dass Akte wie dieser Film keinem anderen Zweck als dem dienen, zum Hass aufzustacheln.”
Sogar Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon schaltete sich ein und verurteilte den Wilders-Film “in schärfster Form”. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für Hasspredigten und das Anstacheln zur Gewalt. “Das Recht auf freie Meinungsäußerung steht hier nicht zur Debatte. Freiheit muss immer mit sozialer Verantwortung einhergehen.”
Es waren Töne, auf die man manchmal vergeblich wartet, wenn Islamisten zum Dschihad aufrufen, Fanatiker Ungläubige massakrieren oder Holocaust-Leugner Konferenzen veranstalten. Denn der einzige Zweck all dieser Exerzitien war es, eine Wiederholung der Ereignisse von 2006 zu vermeiden, als ein Dutzend harmlose Mohammed-Karikaturen einen Flächenbrand der Empörung von Jakarta bis Rabat auslösten. Damals riefen viele Politiker, unter ihnen Claudia Roth, zur “De-Eskalation” auf.
Der Aufruf richtete sich nicht an die Brandstifter, die dänische Fahnen verbrannten und Botschaften verwüsteten, sondern an die Europäer, die ratlos dem Treiben der Gotteskrieger zusahen, besorgt, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. (…)

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„Der Populist, der keiner ist“ von Henryk M. Broder, SPON, 30. März 2008