“Klima: Deutschland im Dunkeln” von Steffi Augter, wiwo.de, 31.01.2008 :
Laptop und Lederhosen – Bayern, das Land der gelebten Gegensätze, boomt. Doch ob die Krachlederne auch künftig an der Spitze des Fortschritts marschiert, wie Franz Josef Strauß es einst wünschte, ist ungewiss. Denn dem Laptop könnte wie dem Rest des Landes schlicht der Strom ausgehen. Die dortige Wirtschaftsministerin Emilia Müller fürchtet: „Ohne Kernenergie wird der Strom bei uns zwangsläufig teurer und unsicherer.“ Denn der geplante Atomausstieg trifft den Süden Deutschlands besonders hart: Dort stehen die meisten der 17 deutschen Kernkraftwerke, fünf allein im Freistaat, sie decken dort zwei Drittel des Strombedarfs – günstig und verbrauchsnah. (…)
Spätestens wenn das Licht ausgeht, wird auch dem letzten Apostel alternativer Quellen klar: Deutschland braucht einen breiten Energiemix – und dazu gehört als Übergangslösung die Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern. Ohne den günstigen Atomstrom, wenn also der Süden Deutschlands schon bald auf den weniger konstanten Windstrom aus Küstenregionen angewiesen ist, benötigt das Land umso mehr auch neue Netze – und deren Bau geht nicht von heute auf morgen über die Bühne. Schließlich soll der Saft aus der Steckdose sauber und sicher fließen – und bezahlbar.
Bisher ist das nicht der Fall. Seit 2000 sind die monatlichen Energie-Ausgaben eines Durchschnitt-Haushaltes um 75 Euro gestiegen – da hilft es wenig, wenn Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Sozialtarif für ärmere Haushalte fordert. Denn in Zeiten, in denen der Ölpreis auf immer neue Rekordwerte steigt und die USA die Weltkonjunktur in den Keller zu stürzen droht, muss die Energiedebatte auf den Boden ökonomischer Tatsachen zurück. (…)Wer die Wirtschaft nicht zum Teufel oder die Menschheit zurück auf die Bäume schicken will, darf der Industrie nicht den Energiehahn zudrehen. Doch genau das geschieht derzeit. Schon in wenigen Jahren droht Deutschland ein massiver Engpass in der Stromproduktion. (…)
Ein gleichzeitiger Ausstieg aus Kernkraft und Kohle – das geht eben nicht. Diese Position vertritt auch Wolfgang Clement (SPD). Scharf verurteilt der frühere Bundeswirtschaftsminister die Energiepolitik der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Mit seinem Affront („Ich würde sie nicht wählen“) hetzte er die Genossen gegen sich auf – und offenbarte die energiepolitischen Differenzen seiner Partei.
Rückendeckung bekommt Clement von den Christdemokraten. „Er hat recht, wenn er auf drohende Engpässe bei der Energieversorgung hinweist“, pflichtet Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein ihm bei. Um den Ausbau regenerativer Energien voranzutreiben, sollten laut Beckstein die Kraftwerksbetreiber verpflichtet werden, einen Teil der durch die Verlängerung der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke erzielten Gewinne in die Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau erneuerbarer Energien fließen zu lassen. (…)„Viele Leute sind gegen Atomkraft, Kohle ist ihnen zu dreckig, Windräder auf dem Feld finden sie nicht schön. Aber der Strom soll billig sein – so funktioniert das nicht“, sagt Glos. Denn wer leichtfertig auf die Verheißungen erneuerbarer Energien setzt, ohne die Netze vorher an die neue Energielandschaft anzupassen, der riskiere den Stromausfall. Deutschland im Dunkeln – ein Schreckensszenario nicht nur für einen schwarzen Politiker aus dem Freistaat.
RWE AG is halting investments in new German power plants over concerns that rising costs of processing carbon dioxide emissions will lower profitability, Ulrich Jobs, head of RWE’s power unit, told Financial Times Deutschland. (…)
‘We’re prepared to invest’, Jobs said. ‘But we will only implement new projects if economic conditions are right again.’ (…)
German utilities have in recent months warned rising costs of carbon dioxide emissions allowances will hamper investments in power generation capacities.
The cost of buying credits is expected to rise significantly during the 2008-2012 trading period, and the EU plans to further reduce the number of certificates allocated after 2012. (…)
And one day we will be sitting in the dark.