Der Buchautor und Journalist Henryk M. Broder hat der ARD-Journalistin Esther Schapira in ihrer Kritik an Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Rücken gestärkt. Der Minister habe sich “eine Peinlichkeit sondergleichen geleistet”, sagte Broder, indem er nicht nur mit einem Rapper ins Studio gehe, der für frauenfeindliche und gewalttätige Texte bekannt sei, sondern dann auch noch Kritikern vorwerfe, sie hätten besser recherchieren sollen. (…)
Henryk M. Broder: (…) Wenn es einen Journalisten oder eine Journalistin in der Bundesrepublik gibt, die extrem sorgfältig und genau arbeitet, dann ist es Esther Shapira. Und hier hat natürlich der Außenminister sich eine Peinlichkeit sondergleichen geleistet. Statt schlicht zu sagen, es ist mir etwas unterlaufen, was nicht hätte passieren sollen, hat er nach Methode “Haltet den Dieb” mit dem Finger auf Frau Shapira gezeigt und ihr gesagt, sie hätte besser recherchieren sollen. Das ist wirklich etwas, was am Rande der Schamlosigkeit siedelt. (…)
Ob Sie jetzt Eminem nehmen in Amerika oder Sido in Deutschland, dass ein Mann von der Statur Steinmeier in dieses Milieu steigt, spricht gegen ihn, spricht gegen seine Sachkenntnis, gegen seinen Geschmack, gegen jede Urteilsfähigkeit.
Esther Schapira zu Steinmeiers Unaufgeregtheit: “Muhabbet weiß, was er sagt”, FAZ, 29.11.2007:
(…) Es mangelt mir zunehmend an jener Gelassenheit, die der Außenminister einfordert, wenn er verlangt, „unaufgeregt“ damit umzugehen, dass sein Gesangspartner Muhabbet den brutalen Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh gebilligt hat. Ich rege mich auf. Ich werde die Bilder dieser hinterhältigen Schlachtung einfach nicht los. Theo van Gogh wurde am helllichten Tag auf offener Straße massakriert. Er radelte ahnungslos in sein Büro, als der Täter aus nächster Nähe auf ihn schoss, ihm dann mit einer Machete die Kehle durchschnitt und ihm am Ende mit einem Filetiermesser einen Brief in die Brust rammte: eine Kriegserklärung an den Westen, den Geist der Aufklärung, an uns alle.
Ich nehme diese Kriegserklärung ernst. Ich rege mich auf über notorische Verharmloser, für die nicht wahr ist, was nicht wahr sein soll. Auch mir fällt es schwer einzugestehen, wie viel Intoleranz und welches Gewaltpotential sich aus vermeintlicher Toleranz munter entwickeln konnte. Politiker aber müssen sich der Realität stellen, nicht sie verleugnen. Ich rege mich auf, wenn Frauen und Schwule von muslimischen Machos bedroht werden, wenn Kritiker des politisch-militanten Islams Polizeischutz brauchen und einem unterwürfigen Leisetreterdialog das Wort geredet wird. (…)
Die Kriegserklärung der Islamfaschisten richtet sich gegen uns alle. Die Front in diesem Krieg verläuft zwischen den Gegnern der Aufklärung und ihren Verteidigern - nicht zwischen dem Islam und dem Westen. Das definiert die Grenze zwischen „ihnen“ und „uns“.
Wir dürfen kein Terrain preisgeben. Die Frage, ob jemand gekränkt wird, ob also eine Veröffentlichung den Straftatbestand der Beleidigung erfüllt, können getrost Gerichte klären. Die Angst vor der Gewalt eines aufgepeitschten Mobs darf jedenfalls kein Argument sein. Nur wenn wir unsere Freiheit verteidigen, werden wir andere dafür begeistern können. Nicht durch ängstliches Zurückweichen. Für die Errungenschaften der Aufklärung sind Menschen auf den Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt worden. Doch warum sollte, was dem Christentum möglich war - die Aussöhnung von Glauben und Vernunft -, nicht auch dem Islam gelingen? Aufklärung aber muss erkämpft werden: durch heftige Debatten, mit zäher Geduld, mit Mut. Und jene, die bereit sind, diesen Kampf zu führen, brauchen zumindest ein Umfeld, das sie unterstützt und ihnen größtmöglichen Schutz gewährt. Mit Appeasement, mit einer Politik der Beschwichtigung und der Verdrängung dagegen stärken wir die Gegner unserer Freiheit.
Wir haben schon lange nicht mehr die Wahl, ob wir diesen Kampf führen wollen oder nicht, denn wir sind mittendrin. Deutschland ist ein Einwanderungsland, und ein erheblicher Teil der Einwanderer waren und sind Muslime. Ihre Kinder sind Deutsche, deutsche Muslime. Sie werden nicht gnädig geduldet, sie gehören dazu. Mit allen Rechten und Pflichten. Aber wer zu Recht ernst genommen werden will, der kann sich aus dieser Debatte nicht heraushalten. Die Muslime in Europa müssen Stellung beziehen. Sie müssen klären, wer den Koran richtig zitiert, die Dschihadisten oder jene, die beteuern, Islam heiße Frieden. (…)