“Tear down this wall!”

Vor 20 Jahren hielt US-Präsident Ronald Reagan seine große Rede in Berlin. Um die entscheidenden beiden Sätze wurde vorher erbittert gestritten. Gerade sie bereiteten den Weg für die deutsche Einheit.
“Tear down this wall!”
“Glückwunsch, dein Satz ist drin.” Das sagte vor fast genau 20 Jahren gegen Mittag des 12. Juni 1987 ein Mitarbeiter aus dem Stab des Weißen Hauses zu John C. Kornblum, damals US-Gesandter in Westberlin. “Dein Satz”: Gemeint waren damit die beiden Formulierungen in der Ansprache von Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins, die auf Kornblum zurückgingen. Sie lauteten: “Mister Gorbachev, open this gate! Mister Gorbachev, tear down this wall!” - “Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor, reißen Sie die Mauer nieder!” Sätze, die ebenso legendär wurden wie das Bekenntnis John F. Kennedys: “Ich bin ein Berliner!” (…)

Ronald Reagans Rede vor dem Brandenburger Tor war, im Rückblick wird das eindeutig, ein Meilenstein auf dem Weg zur friedlichen Überwindung der Teilung Europas. Denn sie verband die seinerzeit heiß umstrittene Politik der Stärke mit dem unbedingten Willen zur Freiheit - und wies damit den Weg zur Überwindung des Kommunismus. (…)

Vor 20 Jahren hatten sich die meisten Bundesbürger und sogar viele Westberliner mit der Teilung abgefunden. Die Einheit war vor allem ein Thema für Sonntagsreden geworden; wer dagegen ernsthaft an diesem zentralen Auftrag des Grundgesetzes festhielt, galt der Mehrheit als mindestens unzeitgemäß, eigentlich aber als gestrig. Immer lauter wurden die Rufe nach einer formalen Anerkennung der DDR. Die Politik der USA dagegen wurde in weiten Teilen der westdeutschen Gesellschaft als Gefährdung des Friedens wahrgenommen.
Gegen diese Stimmung wollte Kornblum etwas tun. (…)

Die Ansprache in Berlin sollte also eine Vision vermitteln, aber sowjetische Interessen nicht empfindlich stören.
Um die Situation zu sondieren, informierte Kornblum sogar vorab sowjetische Diplomaten in Ostberlin. Von dieser Seite waren keine ernsthaften Einwände zu erwarten - zumal auch bewusst keine Lautsprecher Richtung Osten aufgestellt wurden. (…)

Als schwieriger erwies sich, die Bedenkenträger auf der eigenen Seite zu überzeugen, vor allem im US-Außenministerium und in Westdeutschland. Falls Reagan weitgehende Vorschläge machen würde, könnte der Annäherungsprozess zu den kommunistischen Machthabern unter Druck geraten, fürchteten jene, die ohnehin der Politik der Stärke und der unbedingten Verteidigung der Freiheit skeptisch gegenüberstanden. Gegen diese Einwände setzte sich Kornblum schließlich durch - dank einem Machtwort des Präsidenten. (…)

Der ganze Artikel von Sven Felix Kellerhoff aus der WELT am Sonntag vom 10. Juni 2007 hier: “Tear down this wall!”