Zwei meiner Lieblingskolumnen sind bereits aus der WELT verschwunden, erst die von Hannes Stein und kürzlich die von Jeff Gedmin. Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Kolumne von Dirk Maxeiner und Michael Miersch nicht das gleiche Schicksal ereilen wird. Denn diese Kolumne ist auch heute wieder mein “gefühlter” WELT-Höhepunkt der Woche. Es geht um “Gefühlte Temperatur, globale Blödheit”.
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Jeder kennt aus dem Wetterbericht die “gefühlte Temperatur”. Starker Wind oder hohe Luftfeuchtigkeit lassen Kälte frostiger erscheinen, als sie tatsächlich ist. Die “gefühlte Temperatur” ist somit keine objektive, sondern eine subjektive Angelegenheit. Diese Kälte kann man nicht messen - nur fühlen. Und so darf jeder behaupten, dass er ganz besonders schlimm friert. So funktioniert das auch in den Talkshows der Nation, wo häufig von “gefühlten Umständen” die Rede ist. Da geht es dann beispielsweise um “gefühlte Diskriminierung” und “gefühlte soziale Kälte”. Auch “gefühlte Bedrohung” durch Chemikalien, Heuschrecken oder Sittenverfall ist weit verbreitet. Wenn die jeweilige Beweis- oder Gesetzeslage keinen eindeutigen Schuldspruch zulässt, dann tritt das “gefühlte Unrecht” an die Stelle kleinlicher Paragrafen. Und das reicht zumindest auf dem Boulevard für eine glasklare Verurteilung des Missetäters, gegen die obendrein keine Revision möglich ist.
Im Jahr 2005 wurde gar der “gefühlte eindeutige Wille des Volkes” zu Neuwahlen verspürt, und zwar von allen Parteien. Wozu also eine Verfassung mit ihren Artikeln? Eine gefühlte Verfassung wäre eigentlich viel praktischer. Ferner könnte man fragen: Warum noch wählen, wenn im Volk doch ein “gefühlter eindeutiger Wille” vorhanden ist? Das Ganze ergäbe dann ein gefühltes Parlament. (…)Eine gefühlte Allergie löst bei uns mittlerweile folgendes Magazinthema aus: “Das Klima kippt - was kann der Einzelne tun?” Den gefühlten Höhepunkt dieser Woche lieferte uns die Schauspielerin Lisa Fitz während einer Diskussionsrunde bei RTL: “Ich habe vor der globalen Erwärmung viel weniger Angst als vor der globalen Verblödung.”