„Hurra, wir gratulieren!“ – Börne-Preis an Henryk M. Broder

Henryk M. Broder ist gestern in der Frankfurter Paulskirche mit dem diesjährigen Ludwig-Börne-Preis geehrt worden. Die Atmosphäre an diesem historischen Ort war, wie immer, beeindruckend.

Ausschnitte aus der Laudatio von FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort, die in ganzer Länge auf FOCUS-Online zu lesen ist („Markwort ehrt Henryk M. Broder“, 25.06.2007):

Zur Wahlverwandtschaft zwischen Börne und Broder:

Broder schreibt, wie Börne es verlangt. In einem seiner 115 Briefe aus Paris steht das Rezept: „Der Deutsche liebt bescheidenes Rechten, mäßiges Fordern, sanften Tadel, stille Vorwürfe. Darum muss man, um auf sie zu wirken, durch Rede und Schrift anmaßlich streiten, ungebührlich fordern, bitten, tadeln und polternd zurechtweisen. Man muss ihnen alles übertreiben, sie haben eine Elefantenhaut, zarten Kitzel fühlen sie nicht, man muss ihnen eine Stange in die Rippen stoßen.“

Interessantes auch zum zweiten Vornamen, das „M.“ steht nicht für Modest (bescheiden), sondern:

Nichts davon ist richtig. Recherchen im ehemaligen Oberschlesien haben die Wahrheit ans Licht gebracht. Broders Eltern hatten ihren Sohn mit dem zweiten Namen Marcin getauft, das polnische Wort für Martin. Henryk selber hat sich später eigenmächtig in Modest umbenannt, ein Beispiel von extremer Selbstironie. Wir haben es also mit dem ungewöhnlichen Fall eines pseudonymen Zweitvornamens zu tun.

Zum Bestseller: „Hurra, wir kapitulieren!“:

Wem unsere Freiheitswerte und Grundrechte lieb und teuer sind, der darf nicht kapitulieren vor dem Versuch, sie schleichend aufzuweichen. Auf dem Fest am Hambacher Schloss vor 175 Jahren, wo 30 000 Menschen Ludwig Börne als Heros der Freiheitsbewegung umjubelten, wurde auch die Gleichberechtigung der Frauen gefordert. Erst 1958 wurde sie ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen.
Da dürfen wir jetzt, knapp 50 Jahre später, nicht gelassen zusehen, wie diese Rechte wieder eingeschränkt werden. Weil Henryk Broder diese Gefahr sieht, hat er seine Streitschrift gegen den islamistischen Terror verfasst.

Schlusswort:

Zum großen Familienbild der Wahlverwandten gehört natürlich über allen der Pate, den wir Ihnen zugedacht und angetragen haben: Ludwig Börne. Aus vielen guten Gründen haben Sie seinen Preis verdient, weshalb ich jetzt in dieser legendären Paulskirche ausrufen kann: „Hurra, wir gratulieren.“