Dank Hannes Stein erläutert Dr. Theodore Dalrymple heute (12.05.2007) in der Literarischen WELT, warum gerade Sarkozy den Menschen in den französischen Vorstädten Hoffnung bietet.
Ausschnitte aus “Monsieur Sarkozy und der Pöbel” von Dr. Theodore Dalrymple:
(…) Erstens steht Sarko im Ruf, ein Hardliner zu sein, wenn es um die Unterdrückung von Verbrechen geht. aus irgendeinem Grund gilt das unter linken Intellektuellen als Ausweis einer autoritären Haltung und Feindschaft gegen die Armen. Tatsächlich stimmt genau das Gegenteil: Die simple Wahrheit über das Verbrechen ist in jedem Land, dass vor allem die Armen ihm zum Opfer fallen - nicht die Reichen - und dass die Zahl der Opfer sogar in den am schlimmsten betroffenen Gebieten viel größer ist als die Zahl der Täter. (…)
Darum entspricht eher der Wahrheit, dass das Verbrechen die Ursache der anhaltenden Verarmung als ihre Konsequenz ist. (…)
Monsieur Sarkozy hat eine Wahrheit verstanden, die unter französischen Intellektuellen eher unerwünscht war: dass die Erzwingung des Gesetzes eine Vorbedingung der Freiheit ist - und kein Ausdruck von autoritärem Gehabe. Die Freiheit kann nicht blühen, wo der Buchstabe des Gesetzes, wie in den banlieues, nichts gilt.
Zweitens beschützt ein unflexibler Arbeitsmarkt zwar jene, die schon einen Arbeitsplatz haben, grenzt aber jene aus, die arbeitslos sind. Die Privilegien der einen sind der Nachteil der anderen; so verwandelt sich das Erwerbsleben in ein Nullsummenspiel. (…)
Als jemand, der teilweise in Frankreich und teilweise in Großbritannien lebt, bin ich immer etwas überrascht von der Angst, die viele Franzosen vor Reformen und dem Verlust ihrer kleinen Privilegien haben. (…)
Es ist die Aufgabe von Monsieur Sarkozy, sie von dieser unbegründeten Furcht zu befreien. Großer Wohlstand liegt für Frankreich zum Greifen nahe - aber um ihn zu erreichen, wird Sarkozy eine glühende Periode des Protests, vielleicht sogar der Gewalt durchstehen müssen. Wenn er das nicht schafft, kann es keiner schaffen.