Dirk Maxeiner und Michael Miersch waren in Prag bei Radio Free Europe/Radio Liberty. Sie haben dort an einer Morgenkonferenz teilgenommen, die von einer Nachricht überschattet wurde:
(…) Chamail Muschin Chalaf, Mutter von drei Kindern und Reporterin von Radio Free Iraq, wurde entführt, gefoltert und nach zwei Tagen erschossen aufgefunden. Sie kümmerte sich wenig um die Politik, sondern berichtete vor allem über die sozialen Probleme der Bevölkerung des Irak. Ein Kollege berichtet der schweigenden Runde von ihrer Beerdigung. Der Fall war westlichen Medien nur ein paar karge Zeilen wert. Wie kommt das? Die meisten dürften sich an die Entführung der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena erinnern. Sie brachte Hunderttausende Italiener auf die Straße und bestimmte tagelang auch deutsche Schlagzeilen. “Meine Arbeit besteht darin, die Wahrheit zu suchen unter den Menschen, die am Krieg leiden”, sagte Frau Sgrena nach ihrer Freilassung. Sie habe etwas über “die alltäglichen Lebensbedingungen der Menschen” herausfinden wollen. Genau das wollte die Irakerin Chamail Muschin Chalaf auch.Woher rührt die unterschiedliche Wahrnehmung? Liegt es daran, dass Frau Sgrena sich als “Journalistin, Pazifistin und Feministin” bezeichnete und für die linke Zeitung “Il Manifesto” arbeitete? Liegt es daran, dass sie über ihre Entführer sagte: “Sie waren keine Wilden. Sie waren gebildet und hatten Sinn für Politik.” So etwas kommt gut an bei westlichen Medieneliten. Chamail Muschin Chalaf kann nichts mehr über ihre Entführer berichten. Auch arbeitete sie nach landläufiger Meinung wohl für den falschen Arbeitgeber. Ein von den USA finanzierter Sender, der sich für Demokratie, freie Wahlen und Menschenrechte einsetzt? Ist ja wie im Kalten Krieg! Eben. Nur wird es Zeit, dass Radio Liberty auch nach Westen sendet.
Höchste Zeit!
Unbedingt den ganzen Artikel lesen hier:
“Chamail Muschin Chalaf ist tot” von Dirk Maxeiner und Michael Miersch, DIE WELT, 20.04.2007
And this is what Radio Free Europe/Radio Liberty is writing on the reporter`s death (I have not heard anything about it in the German media and not on CNN either. Seems as if some victims were more equal …):
“Radio Free Iraq Reporter Found Dead In Baghdad”, RFE/FL, April 5, 2007
Khamail Muhsin Khalaf, a correspondent in Iraq with RFE/RL’s Radio Free Iraq, has been found dead today in Baghdad.
Khamail had been missing for the past two days amid fears she had been kidnapped. According to official sources, she was shot in the head and there were wounds on her body.
Khamail, who began working for Radio Free Iraq in 2004, had received death threats in the past. She leaves behind three daughters.“The tragic death of Khamail [Muhsin] Khalaf reminds us that each day Radio Free Europe/Radio Liberty correspondents risk their lives in pursuit of truth,” Kenneth Tomlinson, chairman of the Broadcasting Board of Governors, which oversees U.S. foreign broadcasting, said today. “Our thoughts and prayers are with her family and friends, knowing that she paid the ultimate price for fulfilling her responsibility to the people of Iraq.”
RFE/RL President Jeffrey Gedmin also praised Khamail’s professionalism and dedication. “Mrs. Khamail was a courageous journalist who wanted the best for her country and believed that the people of Iraq deserve a peaceful and prosperous future. She died for that cause,” Gedmin said.
Radio Free Iraq broadcasts to Iraq from its headquarters in Prague at Radio Free Europe/Radio Liberty.
“Iraq: Slain Journalist Focused On ‘The Lives Of Simple People’”, RFE/RL, April 6, 2007
“Iraqi Authorities Vow Justice For Journalist’s Killers”, RFE/RL, April 7, 2007