Vanity Fair Deutschland - Erste Ausgabe - First Edition

Nein, ich habe mir die Vanity Fair nicht wegen des Covers mit Til Schweiger gekauft, und dass Angelina Jolie und Brad Pitt vielleicht nach Berlin ziehen werden, interessiert mich auch herzlich wenig. Aber in der ersten Ausgabe von Vanity Fair Deutschland sind auch exklusive Auszüge aus dem literarischen Nachlass von Anna Politkovskaja veröffentlicht (S. 156-164). Und das ist allemal lesenswert.

Am 9. Dezember 2003 z. B. schreibt sie:

Kann man heute von einer Krise der parlamentarischen Demokratie in Russland sprechen? Nein. Unter Putin erlebt der russische Parlamentarismus sein Ende. (…)

24. Februar 2005:

(…) Europa aber ist es müde, vom „schlechten Putin“ zu hören – es möchte sich selbst betrügen und hören, dass er ein Guter ist.

18. August 2005:

Woher wird der Tod des Regimes kommen? Wie wird es zusammenkrachen? Wenn es nicht unter der Einwirkung der Opposition geschehen kann, die zu schwach ist und dafür auch nicht genügend Mitstreiter hat? Und wenn noch weniger ein spontaner Volksprotest der Auslöser sein kann?
Eine der denkbaren Varianten: Wenn Putin den aktiven Aufbau eines neosowjetischen Systems betreibt, dann kann auch dessen Zusammenbruch Resultat wirtschaftlicher Uneffektivität sein. (…)
Das Hauptproblem bei dieser Variante ist die Zeitdauer. Der Zusammenbruch ist unausweichlich, aber wir werden ihn nicht mehr erleben.

Anna Politkovskaja wurde am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen.
Vanity Fair, heißt übersetzt „Jahrmarkt der Eitelkeit“. Nein, eitel war sie bestimmt nicht. Aber „Vanity“ kann auch Vergeblichkeit bedeuten. Hoffen wir, dass dies nicht für ihr Engagement gilt.

Exklusive Auszüge aus Vanity Fair, 07/07
„Russisches Tagebuch“ erscheint am 1. März 2007 im DuMont Literatur und Kunst VerlagGmbH, Köln 2007

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No, I did not buy the first German edition of Vanity Fair because Til Schweiger, a German film star, is on the cover, and I could not care less whether Angelina Jolie and Brad Pitt are going to move to Berlin. But Vanity Fair Germany has also published exclusive excerpts of Anna Politkovskaya`s diary. And that is indeed worth reading:

On February 24, 2005 she says:

(…) Europe is tired hearing of “bad Putin” – it wants to deceit itself and hear, that he is a good one.

And in August 2005 she hopes that the system Putin establishes will break down one day because of it`s economic inefficiency. But she also knows that this will take a long time and that she will not live to see it.

Anna Politkovskaya was shot in Moscow on October 7, 2006. That is not fair. Let us hope that her commitment was not in vain.