Hannes Stein hat “Sehnsucht nach Amerika” (welt.de, 23.12.2006). Wonach genau, erklärt er heute in der WELT. Ausschnitte:
“Ich sehne mich nach der amerikanischen Oberflächlichkeit: nach dem Lächeln im Gesicht der Kellnerin, die mir Rotwein nachschenkt - und nein, ich habe keinen grotesk-unterwürfigen Balletttanz aufführen müssen, damit sie mir die Gnade erweist, mich zur Kenntnis zu nehmen. Übrigens glaube ich nicht, dass die amerikanische Freundlichkeit nur gespielt ist: Könnte es nicht auch sein, dass die Leute dort drüben wirklich netter sind? Eine gewagte Hypothese, ich weiß!” (…)
“Ich sehne mich nach der Leichtigkeit, mit der man in Amerika mit Wildfremden ins Gespräch kommt: Einmal stand ich in einer Schlange und hatte unter dem Arm Arthur Hermans Buch `Wie die Schotten die Moderne erfanden` eingeklemmt. Der Mann vor mir drehte sich um, schaute mir spöttisch in die Augen und fragte: `Ausgerechnet die Schotten?`, und schon waren wir mitten in einer Diskussion.” (…)
“Ich sehne mich nach den drei zentralen Worten in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776, dem heiligsten politischen Text, der je von Menschen verfasst wurde - ich meine die Worte `Streben nach Glück`. (Sie kommen gleich nach dem Recht auf Leben und Freiheit.) Verächter Amerikas halten dies für einen Ausdruck von Egoismus und Dekadenz, und sie haben keine Ahnung. Wirklich keine Ahnung.”