Thema Sonntagabend bei “Sabine Christiansen” war „Die Russen kommen“. Einer der Gäste war der Botschafter der Russischen Föderation in Berlin, Vladmimir Kotenev.
Er betonte, dass die Untersuchungen zu der Vergiftung Litwinenkos noch nicht abgeschlossen seien, wies aber schon jetzt eine Verwicklung Russlands weit von sich. Eigentlich hätte er aber gar nicht unbedingt kommen müssen. Denn in meinen Augen war diejenige, die Putin und die jetzige russische Regierung am wortgewaltigsten und vehementesten vertrat, Gabriele Krone-Schmalz, die ehemalige Moskauer Korrespondentin der ARD. Das hat mich ziemlich überrascht. Hätte man doch annehmen können, dass eine Journalistin, die im Übrigen sehr viel Wert auf die Feststellung legte, früher einmal bei MONITOR gearbeitet zu haben, ein bisschen Solidarität mit den Journalisten in Russland zeigt. Dass sie eingeht auf die Ermordung von Anna Politkovskaja und anderer Journalisten. Aber davon habe ich zumindest nichts gemerkt. Ganz im Gegenteil, Frau Krone-Schmalz unterstellte den westlichen Medien, an einem „Feindbild Russland“ zu arbeiten. Dabei ist doch insbesondere unter der ehemaligen rot-grünen Regierung über wenig so sehr geschwiegen worden, wie über die Menschenrechtsverletzungen in Russland und den Tschetschenien-Krieg. Aber vielleicht hat Frau Krone-Schmalz das alles nicht so genau mitbekommen. Schließlich betreibt sie ja eine Ferienanlage im sonnigen Spanien.
Ich war jedenfalls sehr froh, dass Sonia Mikich, Chefin von MONITOR, im Tagesthemen-Kommentar am Montag die russischen Zustände sehr offen ansprach:
ARD-Tagesthemen, 11. Dez 2006, 22:15 Uhr, Der Kommentar von Sonia Mikich, WDR
Wie ich gerade auf FOCUS-Online lese, zieht die Christiansen-Sendung weitere Kreise. Es besteht der Verdacht, dass der russische Botschafter Einfluss auf die Gästeliste genommen haben könnte. Auszug aus FOCUS-Online, “Sabine Christiansen”: Nooke sieht Medienskandal”, 12.12.2006, von FOCUS-Korrespondent Boris Reitschuster, Moskau
„Der frühere Schachweltmeister Kasparow und Ex-Monitor Chef Bednarz waren am Freitag kurzfristig aus der Talkshow `Christiansen` ausgeladen worden. Laut Bednarz erfolgte die Ausladung auf Druck des russischen Botschafters. Sabine Christiansen hatte zunächst technische und später finanzielle Gründe für die Ausladung Kasparows geltend gemacht. Nach Informationen von FOCUS Online kam es wegen der Zusammensetzung der Gästeliste innerhalb der Redaktion zu einem heftigen Streit.
Ein Sprecher von Sabine Christiansen wies alle Vorwürfe zurück. Er beteuerte, der russische Botschafter habe keinen Einfluss auf die Gästeliste gehabt. Mit Bednarz habe es nur eine lose Vorvereinbarung gegeben. Dem widersprach der frühere Monitor-Chef. `Ich habe am Donnerstag einen verbindlichen Studiogastvertrag bekommen, der mir vorliegt`, sagte Bednarz FOCUS Online. Auch Kasparow widersprach der Aussage, er habe am Mittwoch noch keine Zusage für die Talkshow erteilt: `Ich hatte gleich zugesagt für die TV-Brücke. Die Ausladung kam völlig überraschend und hat mich vor den Kopf gestoßen.`“ (…)
„`Ich werde an die Verantwortlichen der ARD schreiben und klar machen, dass so eine Art von Journalismus dem Ansehen Deutschlands schwer schadet“`, sagte Günter Nooke (CDU) FOCUS Online: `Wenn der russische Botschafter bestimmen kann, wer bei einer Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen teilnehmen darf, ist das ein Skandal`, kommentierte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung die Ausladung des Ex-Schachweltmeisters Kasparow und des früheren Monitor-Chefs Bednarz aus der ARD-Talkshow `Sabine Christiansen` am Sonntag.
Günter Nooke hat recht. Und wenn ihn in nächster Zeit irgendjemand einladen sollte, nach Hamburg oder London, zu „Sushi con pollo“, dann lieber nicht hingehen.
Ach, und Frau Krone-Schmalz wünsche ich von ganzem Herzen viel Erfolg mit ihrer Ferienanlage in Spanien. Vielleicht hat der russische Botschafter ja noch nichts vor im nächsten Sommer …